"Alaaf" und "Helau": Narren und Jecken am Rhein feiern Beginn von Straßenkarneval
Mit lautem "Alaaf" und "Helau" ist am Donnerstag in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz die heiße Phase des närrischen Treibens gestartet. Pünktlich um 11.11 Uhr übernahmen in Köln das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau symbolisch die Regentschaft über die Domstadt. In Düsseldorf stürmten die traditionellen "Möhnen" das Rathaus, ebenso in anderen Städten der Region.
Tausende Feiernde verwandelten die Straßen in eine bunte Partymeile – doch in diesem Jahr begleitet von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage sind in Köln mehr als 1400 Polizisten im Einsatz, insbesondere in der Altstadt, auf den Ringen und im Zülpicher Viertel. Die Behörden sprechen von einer "angespannten Lage", nachdem es in den vergangenen Monaten mehrfach zu Anschlägen kam.
In Nürnberg führte die Sicherheitslage sogar zur Absage eines Kinderfaschingszugs am Rosenmontag. Zahlreiche Einrichtungen zogen sich aus Sorge um ihre Teilnehmer zurück. Auch andernorts gibt es erhöhte Vorsichtsmaßnahmen.
Der rheinische Karneval erreicht seinen Höhepunkt mit den Rosenmontagszügen, zu denen allein in Köln, Düsseldorf und Mainz hunderttausende Besucher erwartet werden. Bis Aschermittwoch herrscht in den Städten Ausnahmezustand, bevor die Jecken dann bis zum 11. November auf die nächste Session warten müssen.
OZD-Kommentar
Der Straßenkarneval am Rhein zeigt sich ausgelassen wie eh und je – doch überschattet von einer neuen Realität. Wo sonst unbeschwerte Fröhlichkeit herrschte, bestimmen in diesem Jahr erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und diffuse Bedrohungslagen die Diskussion.
Dass in Nürnberg ein Kinderfaschingszug abgesagt wird, weil sich Teilnehmer nicht mehr sicher fühlen, ist ein alarmierendes Zeichen. Die Angst, die sich in Teilen der Gesellschaft ausbreitet, ist der eigentliche Angriff auf die Freiheit. Terror und Bedrohungen entfalten ihre Wirkung nicht erst mit der Tat, sondern bereits mit der Verunsicherung, die sie säen.
Gleichzeitig zeigt der Karneval, dass sich nicht alle einschüchtern lassen. Zehntausende feiern, tanzen und trotzen der Angst – nicht aus Leichtsinn, sondern aus Überzeugung, dass das Leben weitergehen muss. Die Städte und die Polizei stehen dabei vor einer enormen Herausforderung: maximale Sicherheit bei maximaler Freiheit. Ein Balanceakt, den es in den kommenden Tagen zu meistern gilt.
OZD-Analyse
Sicherheitslage und verstärkte Maßnahmena) In Köln sind über 1400 Polizisten im Einsatz, verstärkte Kontrollen auch in Düsseldorf und Mainz.
b) Die Behörden sprechen von einer "angespannten Lage", Drohungen im Internet verstärken die Unsicherheit.
c) Erste Auswirkungen sind bereits spürbar: In Nürnberg wurde ein Kinderfaschingszug abgesagt.
a) Trotz Sicherheitsbedenken feiern hunderttausende Menschen und setzen ein Zeichen gegen Angst.
b) Die Städte und die Polizei müssen einen schwierigen Spagat zwischen Sicherheit und Unbeschwertheit schaffen.
c) Die Karnevalshochburgen zeigen, dass Feiern und Verantwortung kein Widerspruch sein müssen.
a) Die Rosenmontagszüge stehen als größtes Ereignis noch bevor, erwartet werden hunderttausende Besucher.
b) Die Sicherheitslage bleibt angespannt, spontane Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen.
c) Am Aschermittwoch endet die Session – doch die Debatte über Sicherheit bei Großveranstaltungen dürfte bleiben.
Was ist der rheinische Karneval?
Der rheinische Karneval ist eine der größten und traditionsreichsten Volksfeiern in Deutschland. Höhepunkt ist die "tolle Woche" ab Weiberfastnacht bis Aschermittwoch, in der Millionen Menschen in Städten wie Köln, Düsseldorf und Mainz feiern. Neben den berühmten Rosenmontagszügen prägen kostümierte Jecken, Karnevalssitzungen und närrische Bräuche das Fest. Der Karneval hat eine jahrhundertealte Tradition und dient historisch als Ventil zur Umkehr gesellschaftlicher Hierarchien – bevor die Fastenzeit beginnt.
Was ist Weiberfastnacht?
Weiberfastnacht markiert den Beginn des Straßenkarnevals und ist vor allem in den Karnevalshochburgen des Rheinlands ein bedeutender Tag. Der Brauch entstand im 19. Jahrhundert, als Frauen symbolisch für einen Tag die Macht übernahmen. Traditionell werden an diesem Tag Rathäuser gestürmt und Männern die Krawatten abgeschnitten – als Zeichen der "Machtübernahme" durch die Frauen. Heute ist Weiberfastnacht vor allem ein ausgelassenes Fest mit großen Partys auf Straßen und Plätzen.
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Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP