US-Präsident Donald Trump hat seine Drohung wahr gemacht: Die bereits angekündigten Strafzölle auf Importe aus Mexiko und Kanada treten am 4. März in Kraft. Gleichzeitig erhöht er die Abgaben auf chinesische Waren um weitere zehn Prozentpunkte. Trump begründet die Maßnahmen mit dem anhaltenden Schmuggel der tödlichen Droge Fentanyl in die USA.
Die neuen Zölle treffen Mexiko und Kanada besonders hart, da beide Staaten mit den USA durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (USMCA) wirtschaftlich eng verbunden sind. Bereits im Februar hatte Trump die Abgaben beschlossen, ihre Umsetzung jedoch auf Druck der betroffenen Länder um einen Monat verschoben. Nun setzt er sie endgültig durch.
„Der Drogenschmuggel aus diesen Ländern ist inakzeptabel“, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Ein Regierungsvertreter begründete den Schritt damit, dass es „zu wenig Fortschritte“ im Kampf gegen Fentanyl gegeben habe. „Um dieses Problem zu lösen, müssen wir gegen alle drei Länder vorgehen“, hieß es aus dem Weißen Haus.
Kanadas Premierminister Justin Trudeau kündigte an, er werde „Tag und Nacht“ daran arbeiten, die Zölle doch noch zu verhindern. „Wir setzen alles daran, eine Eskalation zu vermeiden“, sagte Trudeau. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte, sie hoffe auf direkte Gespräche mit Trump. Eine Delegation ihres Landes sei bereits in Washington, um eine Lösung zu finden.
Nicht nur die nordamerikanischen Nachbarn stehen unter Druck: Auch China muss sich auf weitere Handelssanktionen einstellen. Bereits Anfang Februar hatte Trump die bestehenden Zölle auf chinesische Importe um zehn Prozentpunkte erhöht – Peking reagierte mit Gegenzöllen von bis zu 15 Prozent. Nun kündigte Trump eine weitere Erhöhung um zehn Prozentpunkte an.
Zudem bestätigte Trump den 2. April als Stichtag für die Einführung der sogenannten „reziproken Zölle“. Diese sollen individuell auf die Handelspartner der USA zugeschnitten sein. „So wie ihr uns behandelt, so werdet ihr behandelt“, erklärte US-Handelsminister Howard Lutnick gegenüber Fox News.
Die EU sieht Trumps Kurs mit Sorge. Nachdem er bereits mehrfach mit 25-Prozent-Zöllen auf europäische Waren gedroht hatte, sprachen sich Frankreich und Spanien für eine „harte Antwort“ aus. „Sollten die USA an den Zöllen festhalten, wird die EU mit Gegenmaßnahmen reagieren“, erklärte der französische Wirtschaftsminister Eric Lombard. Auch Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez kündigte eine „angemessene Reaktion“ an. ozd/afp
OZD-Kommentar
Donald Trump eskaliert den Handelskonflikt mit der ganzen Welt – und rechtfertigt es mit dem Kampf gegen Drogen. Doch dieser Vorwand verdeckt die eigentliche Agenda: Protektionismus und wirtschaftliche Machtdemonstration.
Dass Fentanyl eine ernsthafte Bedrohung für die USA darstellt, ist unbestreitbar. Doch der Schmuggel dieser Droge mit Strafzöllen auf legale Handelsgüter zu bekämpfen, ist nicht nur ineffektiv, sondern schadet auch den Beziehungen zu engen Verbündeten. Die USA selbst profitieren massiv von den Handelsbeziehungen mit Mexiko und Kanada – dennoch setzt Trump auf Konfrontation.
Besonders brisant ist die gleichzeitige Eskalation mit China. Trump setzt damit bewusst auf einen Handelskrieg, der für die Weltwirtschaft verheerende Folgen haben könnte. Die EU bleibt ebenfalls im Visier. Sollte Trump seine Zölle gegen europäische Waren tatsächlich umsetzen, steht eine Gegenreaktion aus Brüssel außer Frage – und ein globaler Wirtschaftskonflikt wäre unausweichlich.
Der 2. April wird damit zum entscheidenden Datum: Die Einführung der „reziproken Zölle“ könnte das weltweite Handelssystem ins Wanken bringen. Trump spielt ein gefährliches Spiel – und es sind nicht nur seine Gegner, sondern auch die amerikanische Wirtschaft, die am meisten darunter leiden könnten.
OZD-Analyse
Trumps Strategie der wirtschaftlichen Abschottunga) Trump setzt verstärkt auf Zölle als politisches Druckmittel – auch gegen enge Verbündete wie Kanada und Mexiko.
b)
Die Strafzölle stehen im Widerspruch zu bestehenden Handelsabkommen wie
USMCA, deren Stabilität durch die Maßnahmen gefährdet wird.
c)
Die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft sind unklar: Während einige
Branchen profitieren könnten, drohen steigende Preise für Verbraucher.
a)
Peking hat bereits mit Gegenzöllen auf Trumps Maßnahmen reagiert – die
wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und China nehmen weiter zu.
b) China könnte alternative Handelspartner suchen, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.
c) Der weltweite Handel könnte unter den US-Maßnahmen erheblich leiden, wenn weitere Eskalationen folgen.
a) Die EU steht unter Druck, eine starke Reaktion auf mögliche US-Zölle vorzubereiten.
b) Frankreich und Spanien fordern bereits eine harte Linie gegen Trumps protektionistische Maßnahmen.
c)
Sollte der Handelskrieg eskalieren, könnten auch deutsche Exporte
massiv betroffen sein – insbesondere die Automobil- und
Maschinenbauindustrie.
Wer ist Howard Lutnick?
Howard Lutnick ist seit Januar 2025 US-Handelsminister und gilt als enger Vertrauter von Donald Trump. Der Unternehmer war zuvor CEO des Finanzunternehmens Cantor Fitzgerald. Er ist ein Befürworter protektionistischer Maßnahmen und treibt Trumps „reziproke Zölle“ federführend voran.
Was ist das USMCA-Abkommen?
Das United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) ist das Nachfolgeabkommen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA). Es trat 2020 in Kraft und regelt den Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Das Abkommen soll den freien Warenverkehr in Nordamerika gewährleisten – Trumps Strafzölle stellen jedoch eine direkte Gefährdung des Vertrags dar.
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Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP