Am Freitag landete der US-Vizepräsident JD Vance auf dem US-amerikanischen Militärstützpunkt Pituffik in Grönland. Begleitet wurde er von seiner Frau Usha Vance, dem Nationalen Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump, Mike Waltz, sowie Energieminister Chris Wright. Der Besuch erfolgt vor dem Hintergrund der anhaltenden diplomatischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark, die sich an den von Präsident Trump geäußerten Gebietsansprüchen auf Grönland entzündet haben.
Bereits 2019 hatte Trump in seiner ersten Amtszeit geäußert, Grönland kaufen zu wollen, was auf internationale Empörung gestoßen war. Nach seiner erneuten Amtsübernahme im Januar 2025 bekräftigte er mehrfach, dass Grönland unter US-Kontrolle gestellt werden solle. Am Mittwoch erneuerte Trump seine Position, indem er erklärte, dass die USA die riesige Insel „haben müssen“. Sowohl die grönlandische als auch die dänische Regierung wiesen diese Forderungen entschieden zurück und kritisierten den Besuch von Vance auf dem Militärstützpunkt scharf. Ursprünglich war ein umfangreicheres Besuchsprogramm für den Vizepräsidenten geplant, doch aufgrund der anhaltenden politischen Spannungen wurde es stark reduziert und auf den Stützpunkt Pituffik beschränkt.
Die strategische Bedeutung Grönlands
Grönland ist die größte Insel der Welt und hat eine Bevölkerung von nur rund 57.000 Menschen. Das arktische Gebiet ist geopolitisch von großer Bedeutung, da es wertvolle Bodenschätze wie Seltene Erden, Uran und Erdöl birgt, die bisher kaum erschlossen wurden. Die USA betreiben seit Jahrzehnten militärische Einrichtungen auf Grönland, darunter den Luftwaffenstützpunkt Pituffik (früher Thule Air Base), der für die Raketenabwehr und strategische Überwachung der Arktis von zentraler Bedeutung ist.
Die Geschichte Grönlands
Grönland blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Bereits vor mehr als 4.500 Jahren siedelten sich die ersten Menschen auf der Insel an. Die Inuit-Vorfahren der heutigen grönlandischen Bevölkerung kamen etwa im 13. Jahrhundert aus Kanada auf die Insel. Im Jahr 982 landete der norwegische Entdecker Erik der Rote in Grönland und gründete dort eine Wikingersiedlung. Diese nordische Besiedlung hielt mehrere Jahrhunderte an, bis sie vermutlich im 15. Jahrhundert aufgrund klimatischer Veränderungen und wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgegeben wurde.
Im Jahr 1721 begann Dänemark offiziell mit der Kolonialisierung Grönlands. Die Insel blieb bis zum 20. Jahrhundert unter dänischer Herrschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Grönland 1953 den Status einer Provinz Dänemarks und wurde damit offiziell in das Königreich integriert. 1979 wurde eine begrenzte Autonomie eingeführt, die 2009 durch eine erweiterte Selbstverwaltung gestärkt wurde. Heute ist Grönland in vielen politischen Bereichen autonom, doch die Außen- und Verteidigungspolitik bleibt weiterhin unter dänischer Kontrolle.
Fazit
Die erneute Forderung von Präsident Trump nach einer US-amerikanischen Kontrolle über Grönland sorgt für erhebliche diplomatische Verstimmungen zwischen Washington und Kopenhagen. Während die USA ihre strategischen Interessen in der Arktis ausbauen wollen, sehen sich Grönland und Dänemark in ihrem Souveränitätsanspruch bedroht. Der Besuch von Vizepräsident JD Vance auf dem Stützpunkt Pituffik verdeutlicht die geopolitische Brisanz des Themas, das auch in Zukunft für Spannungen in den internationalen Beziehungen sorgen dürfte.
OZD/AFP
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