Der Besuch Netanjahus fällt in eine Phase, in der nicht nur diplomatische, sondern auch wirtschaftliche Differenzen offen zutage treten. Die von Trump verhängten Zölle in Höhe von 17 Prozent auf israelische Importe – trotz vorheriger Zugeständnisse Israels – deuten auf eine neue Unberechenbarkeit in der US-Außenpolitik hin. Dass selbst enge Partner wie Israel von protektionistischen Maßnahmen betroffen sind, zeigt die dominante Interessenpolitik der Trump-Regierung, die sich selbst gegenüber traditionellen Verbündeten wenig kompromissbereit zeigt.
Gleichzeitig ist das Treffen auch ein Akt der Symbolpolitik, der innenpolitisch sowohl für Trump als auch für Netanjahu nützlich sein kann – beide stehen in ihren Ländern unter politischem Druck. Doch die in Aussicht stehenden Gesprächsthemen – Waffenruhe im Gazastreifen, das iranische Atomprogramm und besagte Handelsfragen – sind hochkomplex und verlangen nach Realpolitik und diplomatischem Feingefühl, das über symbolische Gesten hinausgeht.
Das Verhältnis Trump–Netanjahu scheint zunehmend einem Machtungleichgewicht zu unterliegen: Während Israel oft als bevorzugter Partner dargestellt wird, zeigt die Realität, dass auch Israel den Launen der amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik unterworfen ist. Der Fall der neuen Zölle verdeutlicht diese strukturelle Asymmetrie.
Zudem werfen solche Entwicklungen ein Licht auf die langfristigen Folgen der einseitig ausgerichteten Rüstungspolitik und Trumps harte Linie gegenüber dem Iran. Eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt rückt damit in noch weitere Ferne, da durch solche Besuche kaum echte Verhandlungsfortschritte, sondern vielmehr Machtinszenierungen zu erwarten sind.
Insgesamt zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen Trump und Israel zwar auf engem Schulterschluss basiert, aber zunehmend von strategischem Kalkül und kurzfristigem politischem Nutzen dominiert wird – was die Stabilität der Region wie auch das Vertrauen in internationale Kooperationen gefährdet.
OZD/AFP
Alle Angaben ohne Gewähr.
Bild: AFP