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Anti-Trump-Proteste …aber sie haben ihn doch gewählt…

Ein Kommentar zu den Anti-Trump-Protesten in den USA und Europa

Von Anfang an war klar: Donald Trump würde kein Präsident „wie jeder andere“ sein. Spätestens seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus steht fest, dass er Amerikas politische Architektur radikaler umbaut, als es viele für möglich gehalten hätten. Und dennoch: Er wurde gewählt.

Die aktuellen Proteste, von Washington bis Paris, zeigen eine tiefe gesellschaftliche Spaltung – aber auch ein Erwachen. „Finger weg!“ – das Motto der Demonstrationen – richtet sich nicht nur gegen Trumps Politik, sondern auch gegen das Gefühl, dass grundlegende demokratische Werte auf dem Spiel stehen. Doch diese Sorge, so berechtigt sie auch sein mag, kommt nicht aus dem Nichts. Sie folgt einem demokratischen Akt: der Wahl durch das Volk.

Trump mag polarisieren, provozieren und bestehende Normen erschüttern – aber nichts davon geschieht im politischen Vakuum. Er handelt auf Basis eines Mandats, das ihm Millionen Wählerinnen und Wähler erteilt haben. Man mag über ihre Beweggründe streiten, sie für manipuliert, wütend oder fehlgeleitet halten – doch sie sind real, sie sind wahlentscheidend, und sie sind Teil jener Demokratie, die nun auf den Straßen verteidigt wird.

Die Demonstranten haben gute Gründe: Angriffe auf den Rechtsstaat, autoritäre Tendenzen, das Schüren von Angst, der Umgang mit Migranten, die Rücknahme sozialer Leistungen. Und ja, auch die Nähe zu Figuren wie Elon Musk, der als technologischer Visionär plötzlich zum politischen Vollstrecker wird, wirkt irritierend. Aber: Wo war diese breite Front der Empörung vor der Wahl? Wo war die Mobilisierungskraft, als es um die eigentliche Machtvergabe ging?

Demokratie lebt nicht nur von Protesten, sondern auch von Beteiligung – vor, während und nach der Wahl. Die Empörung jetzt ist notwendig, vielleicht sogar überlebenswichtig. Aber sie kommt nicht ohne eine bittere Ironie: Sie richtet sich gegen eine Realität, die sich im Wahlergebnis bereits abgezeichnet hat.

Und so bleibt ein Gefühl zurück, das schwer zu verdrängen ist: Die Straßen mögen laut sein, die Plakate deutlich – doch Trump regiert weiter, mit Macht, mit Tempo, mit Strategie. Die Institutionen wirken geschwächt, die Opposition orientierungslos, und ein Teil der Bevölkerung bleibt unerschütterlich loyal.

Vielleicht ist genau das die beunruhigendste Erkenntnis: Nicht nur Trump verändert Amerika – sondern auch die, die ihn gewählt haben. Und sie haben es wieder getan.

OZD



Alle Angaben ohne Gewähr.

Bild: AFP